
Dr. Gregor Scheja zeigt, warum Datenschutz kein Selbstzweck ist: Wer weiß, welche Daten wohin fließen, schützt Menschen besser und kann künstliche Intelligenz verantwortungsvoll einsetzen.
Datenschutz findet in immer mehr Unternehmen statt, bleibt für viele aber ein bürokratisches Pflichtthema. Dr. Gregor Scheja sieht das anders. Für den Rechtsanwalt und externen Datenschutzbeauftragten aus Bonn geht es nicht um den Schutz von Daten, sondern um den Schutz von Menschen.
In einer Studio-Vechta-Folge spricht der Gründer von Scheja & Partners über Kanzleigeschichte, eigene Software und den richtigen Umgang mit künstlicher Intelligenz.
Eine Vorlesung mit drei Hörern
Der Weg in den Datenschutz begann für Gregor Scheja eher zufällig. Während des Jurastudiums in Hannover besuchte er eine Datenschutzvorlesung. Im Saal saßen laut bereitgestelltem Studio-Vechta-Beitrag drei Hörer: er selbst, ein Freund aus Solidarität und ein Gaststudent, der kaum Deutsch sprach. Der Professor hielt jede einzelne Vorlesung und wurde später sein Doktorvater.
Nach Promotion und einem EU-Forschungsprojekt wechselte Scheja in die Wirtschaft. Zunächst arbeitete er in einem Datenschutzteam eines Automobilkonzerns, später als Konzerndatenschutzbeauftragter eines Zulieferers mit Verantwortung für Europa und Südamerika. Anschließend gründete er die eigene Kanzlei in Bonn. Die offizielle Teamseite führt ihn heute als Partner von Scheja & Partners.
Der Bäcker an der Ecke
Datenschutz betrifft nicht nur Konzerne. Gregor Scheja erklärt das im Gespräch am Beispiel eines Bäckers: Eine günstige Kamera überträgt Bilder in eine Cloud im Ausland, eine Zahlungsplattform kommt hinzu, die Website nutzt Tracking und Bewerbungen werden vielleicht von einer KI bewertet. Jede einzelne Entscheidung kann Fragen aufwerfen, die ein kleiner Betrieb nicht allein beantworten kann.
Deshalb hält er das Verzeichnis von Verarbeitungstätigkeiten für sinnvoll. Wer nicht weiß, welche Daten verarbeitet werden und wohin sie fließen, kann sie auch nicht schützen. Pläne, diese Pflicht erst ab 750 oder 1.000 Mitarbeitenden gelten zu lassen, bewertet er kritisch.
Maß statt Maximum
Gegen Bürokratieabbau hat Gregor Scheja nichts. Er plädiert jedoch für einen gesunden Mittelweg. Die 17 Aufsichtsbehörden in Deutschland hält er im Gespräch für einen veralteten Ansatz. Wirksamer wären aus seiner Sicht klare Schadensersatzmöglichkeiten für Betroffene und eine Haftung für schlechte Beratung.
Ein vollständig datenschutzkonformes Unternehmen gibt es nach seiner Einschätzung ohnehin nicht. Gute Beratung muss deshalb ein angemessenes Niveau definieren und transparent machen, welche Risiken und welcher Nutzen mit einer Entscheidung verbunden sind.
Software verändert die Beratung
Vor vier Jahren traf die Kanzlei laut Beitrag eine strategische Entscheidung: Wer nur berät, wird schrumpfen. Gemeinsam mit einem großen Münchner Softwarehaus entwickelt Scheja & Partners seitdem den Privacy Pilot, eine Plattform für Datenschutz und IT-Sicherheit mit integrierter KI. Vier Entwickler arbeiten ausschließlich daran.
Die offizielle PrivacyPilot-Seite beschreibt die browserbasierte Legal-Tech-Anwendung als Unterstützung für IT-Recht, Informationssicherheit und regulatorische Standards. Ergänzt wird das Angebot laut Studio-Vechta-Beitrag durch den Training Pilot für E-Learning und den Hint Pilot für Hinweisgeberschutz. Standardfragen kann Software übernehmen; komplexe Entscheidungen bleiben persönliche Beratung.
KI richtig nutzen statt pauschal verbieten
Die europäische KI-Verordnung versteht Gregor Scheja nicht als Verbot, sondern als Rahmen. Sie soll Diskriminierung und Intransparenz verhindern und KI kontrollierbar halten. Unternehmen sollten ihre Mitarbeitenden schulen, nicht aus Angst, sondern aus Verantwortung.
Besonders aufmerksam sollten Teams bei frei verfügbaren KI-Diensten sein. Je nach Version und Einstellung können Inhalte über angebundene Suchdienste in fremde Hände gelangen. Wer vertrauliche Dokumente hochlädt, sollte verstehen, was mit ihnen geschieht. Die Faustregel aus dem Gespräch: Wenn etwas kostenlos ist, bezahlt man meist mit Daten.
Wo Menschen unverzichtbar bleiben
Für Juristinnen und Juristen ist KI besonders wirkungsvoll, weil Gesetze und Urteile eine hochwertige Datenbasis bilden. Bei Standardfragen wie Löschfristen ist die Maschine laut Gregor Scheja heute schon stark.
Bei der Kommunikation mit Behörden oder der Einschätzung von Bußgeldrisiken braucht es weiterhin Menschen. Datenschutz wird damit nicht zum Hemmschuh, sondern zum Kompass: Er hilft Unternehmen zu verstehen, was sie tun, und neue Technologien verantwortungsvoll zu nutzen.
Vom Regelwerk zur Verantwortung
Scheja & Partners verbindet in Bonn rechtliche Expertise mit Datenschutzmanagement, KI-Governance, Informationssicherheit und Compliance. Die offizielle Website zeigt, wie eng rechtliche, organisatorische und technische Fragen heute zusammenhängen.
Für Unternehmen im Nordwesten und darüber hinaus liegt darin eine praktische Lehre: Nicht möglichst viele Regeln schaffen Sicherheit, sondern Transparenz über Datenflüsse, klar geschulte Mitarbeitende und eine Beratung, die Risiken verständlich einordnet.


