Menschen im Gespräch als Motiv für Recruiting und Arbeitgeberkommunikation.

Recruiting

Social Recruiting: Fachkräfte finden, wo andere nur Stellenanzeigen schalten

Im Oldenburger Münsterland und im Emsland ist die Stellenanzeige allein kein Recruiting mehr. Sie ist der letzte Schritt.

Die Lage in der Region

Kaum irgendwo in Niedersachsen ist der Arbeitsmarkt so angespannt wie bei uns. Die Agentur für Arbeit Vechta, zuständig für die Landkreise Vechta und Cloppenburg, meldete 2025 eine Arbeitslosenquote von 4,1 %, der Landesdurchschnitt lag bei 6,1 % (NWZ, Bilanz der Agentur für Arbeit Vechta). Was nach einer guten Nachricht klingt, ist für viele Betriebe ein Problem. Laut Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) gab es im Agenturbezirk Vechta für 59,0 % aller offenen Stellen keine passend qualifizierten Arbeitslosen. Im Bezirk Nordhorn, zu dem auch das Emsland gehört, waren es sogar 62,8 %. Am stärksten fehlten in Niedersachsen Fachkräfte in der Bauelektrik und der Kraftfahrzeugtechnik (KOFA-Ländersteckbrief Niedersachsen 2025/2026).

Wer in dieser Lage Mitarbeitende gewinnen will, muss sichtbar sein, bevor jemand überhaupt sucht.

Unternehmen und Talente laufen aneinander vorbei

Eine KOFA-Studie zeigt, wie groß die Lücke ist: 71,3 % der Unternehmen nutzen Facebook, um über Ausbildungsplätze zu informieren. Jugendliche dagegen setzen vor allem auf Instagram (57,9 %), YouTube (46,9 %) und TikTok (30,4 %) (KOFA Kompakt 01/2025: Auszubildende über Social Media finden). Die Studie Azubi-Recruiting Trends 2025 mit 5.482 befragten Schülerinnen, Schülern und Azubis bestätigt das: Zur Information über Ausbildungen nutzen 36 % YouTube, 35 % Instagram und 27 % TikTok. Gesucht wird am Ende trotzdem meist per Suchmaschine. Und: Die junge Zielgruppe wünscht sich Ehrlichkeit statt Inszenierung (u-form Testsysteme, Azubi-Recruiting Trends 2025, via Haufe; wirAUSBILDER).

Dazu passt ein Befund aus dem Edelman Trust Barometer 2026: In Deutschland vertrauen 74 % der Beschäftigten ihrem Arbeitgeber, das Richtige zu tun. Kein anderer Akteur erreicht hier eine so klare Mehrheit (Edelman Trust Barometer 2026 Deutschland). Wer Mitarbeitende zu Wort kommen lässt, nutzt also die glaubwürdigste Stimme, die ein Unternehmen hat.

Was wir in der Praxis sehen

Der stärkste Beitrag eines Logistikunternehmens aus unserer Betreuung war kein Werbefilm, sondern ein Recruiting-Reel mit der einfachen Frage, warum man Teil des Teams werden sollte. Es erreichte auf Facebook über 720.000 Views. Ein Landtechnik-Fachhändler suchte per Reel mit einem Augenzwinkern einen Werkstattleiter und erreichte damit auf Instagram rund 100.000 Menschen. Und bei einem Tiefbauunternehmen wurde die Bildstrecke vom ersten Ausbildungstag zum reichweitenstärksten Feed-Beitrag des Jahres.

Was das für Ihr Unternehmen bedeutet

Social Recruiting beginnt lange vor der Stellenanzeige. Zeigen Sie den echten Arbeitsalltag: die Werkstatt, die Baustelle, die Frühschicht. Lassen Sie Azubis und Mitarbeitende selbst erzählen. Und sorgen Sie dafür, dass Ihre Karriereseite bei Google gefunden wird und eine Bewerbung in wenigen Minuten möglich ist. Denn Social Media schafft Aufmerksamkeit, die Suchmaschine liefert den Bewerber.

Erst Vertrauen, dann Bewerbung. Im Fachkräftemangel gewinnt, wer zuerst sichtbar ist.

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