
Ulrich Kleine-Stüwe zeigt, warum Inklusion keine abstrakte Botschaft braucht: Die Dokureihe „Teamwork“ macht Menschen im Andreaswerk sichtbar und schafft Verständnis, Selbstbewusstsein und Unterstützung.
Inklusion steht in vielen Leitbildern und Sonntagsreden. Für viele Menschen bleibt sie dennoch abstrakt. Die Dokumentationsreihe „Teamwork“ des Andreaswerks Vechta macht sie sichtbar – mit echten Menschen und echten Geschichten.
In einer Studio-Vechta-Folge spricht Ulrich Kleine-Stüwe, Referent für bürgerschaftliches Engagement beim Andreaswerk, über die Entstehung der Serie, ihre Wirkung und warum sie erst am Anfang steht.
Vom FSJ zum Fundraiser
Vor 30 Jahren machte Ulrich Kleine-Stüwe sein Freiwilliges Soziales Jahr im Andreaswerk. Es folgten ein Studium der Sozialarbeit und fast 20 Jahre als gerichtlich bestellter rechtlicher Betreuer. Seit achteinhalb Jahren ist er zurück im Andreaswerk, seit dreieinhalb Jahren im Fundraising.
Seine Aufgabe ist es, Mittel für Dinge zu beschaffen, die Leistungsträger nicht bezahlen: Spielgeräte, Spezialfahrräder oder Busfahrten. Die offizielle Ehrenamtsseite führt ihn als Kontaktperson des Referats für Bürgerschaftliches Engagement und beschreibt vielfältige Möglichkeiten, sich im Andreaswerk einzubringen.
Hinter die Türen schauen
Viele Menschen in Vechta kennen das Andreaswerk, aber oft nur von außen. Vor rund zwei Jahren entstand gemeinsam mit RPLC die Idee, das zu ändern. Nicht mit einem klassischen Imagefilm, sondern mit einer Reihe, die Menschen mit Beeinträchtigungen eine Bühne gibt und Einblicke in Werkstatt, Wohnen, Schule und Frühförderung eröffnet.
Die offizielle Andreaswerk-Seite beschreibt die Organisation als starke Gemeinschaft im Landkreis Vechta und nennt Angebote für Leben, Lernen und Arbeiten. „Teamwork“ übersetzt diesen Anspruch in konkrete, persönliche Geschichten.
Spenden als gemeinsames Erlebnis
Die Finanzierung von „Teamwork“ läuft über Spenden. Bisher stand hinter jeder Folge ein eigener Unterstützer. Der ursprüngliche Plan, monatlich zu veröffentlichen, erwies sich als zu ehrgeizig. Heute entsteht Folge für Folge im engen Austausch zwischen Andreaswerk und Produktionsteam.
Ulrich Kleine-Stüwe formuliert die Haltung klar: Es geht nicht darum, um Almosen zu bitten, sondern Unterstützenden ein Erlebnis zu bieten. Fundraising wird so zur Einladung, an einer sichtbaren Veränderung mitzuwirken.
Sieben Geschichten aus dem Alltag
Die bisherigen Folgen zeigen, wie vielfältig das Leben im Andreaswerk ist: Larissa und Hendrik arbeiten in Montage, Büro für Leichte Sprache und Tischlerei. Eine Folge begleitet ein Sozialpraktikum an der Erich-Kästner-Schule. Weitere erzählen von Wohnen, Frühförderung, Reisen, der Keksbäckerei in Steinfeld oder Basketball bei RASTA Vechta.
Die Reihe macht keine abstrakten Konzepte sichtbar, sondern Alltag, Arbeit, Freundschaften und persönliche Ziele. Genau darin liegt ihre Stärke: Menschen werden nicht erklärt, sondern selbst als handelnde Personen gezeigt.
Sichtbarkeit, die etwas verändert
Der bereitgestellte Beitrag nennt rund 4.000 YouTube-Aufrufe für die erste Folge und 2,7 Millionen erreichte Menschen in zwei Monaten mit den beiden jüngsten Folgen. Zudem gewann das Andreaswerk mehr als 2.100 neue Follower. Diese Zahlen machen die wachsende Sichtbarkeit der Reihe nachvollziehbar.
Für Ulrich Kleine-Stüwe zählt jedoch vor allem die Wirkung auf die Beteiligten. Hendrik aus der ersten Folge ist an Auftritten gewachsen. Andere drucken sich scherzhaft Autogrammkarten. Und ein QR-Code zur Serie ersetzt inzwischen Präsentationen, wenn junge Menschen in Schulen für Sozialpraktika werben.
Erst der Anfang
Künftig soll „Teamwork“ über Jahresbudgets finanziert werden. Unterstützende müssen dann nicht mehr thematisch zu einer einzelnen Folge passen. Ob großer oder kleiner Beitrag: Jeder kann Teil der Geschichte werden.
An Themen mangelt es nicht. Bei rund 2.000 Plätzen reichen sie laut Beitrag vom Triathlon über ein eigenes Restaurant bis zu den „Schlauschnackern“, die sich regelmäßig über Fußball austauschen. Die offizielle Ehrenamtsseite ergänzt, dass sich bereits mehr als 130 Menschen in ihrer Freizeit engagieren.
Inklusion braucht Geschichten
Die Erfahrung aus Vechta ist übertragbar: Inklusion braucht keine Kampagne, die über Menschen spricht. Sie braucht Geschichten, in denen Menschen zeigen, wie sie leben und arbeiten. Das schafft Verständnis, stärkt Selbstbewusstsein und gewinnt Unterstützung.
Wer sich im Andreaswerk ehrenamtlich engagieren möchte, findet auf der offiziellen Ehrenamtsseite Einsatzmöglichkeiten und eine persönliche Kontaktstelle. So wird aus Sichtbarkeit auch eine konkrete Möglichkeit, im Landkreis Vechta mitzumachen.


