Linus Bocklage von B + B Architekten steht vollständig vor einer grauen Wand in einem hellen Innenraum.

Architektur

Kommunikation statt Kontrolle

Linus Bocklage zeigt, warum Nachfolge und Architekturprojekte nicht durch Kontrolle gelingen: Entscheidend sind klare Rollen, Vertrauen und Kommunikation, die alle Beteiligten handlungsfähig macht.

Ein Familienunternehmen zu übernehmen, klingt für viele nach einem gemachten Nest. Für Linus Bocklage bedeutete es, ein Architekturbüro mit 40 Jahren Geschichte neu zu erfinden – ohne die Menschen zu verlieren, die es groß gemacht haben.

In einer Studio-Vechta-Folge spricht der Architekt aus Vechta über die Nachfolge zu dritt, über Belastungsgrenzen und über die Frage, was Bauprojekte wirklich trägt. Seine Antwort ist schlicht und anspruchsvoll zugleich: Kommunikation statt Kontrolle.

Praxis vor Studium

Linus Bocklage entschied sich nach einem Austauschjahr in Australien zunächst bewusst für eine kaufmännische Ausbildung bei Big Dutchman. Fachhochschulreife und Architekturstudium in Oldenburg folgten. In einem Bremer Büro leitete er große Büroprojekte, bevor er zum 1. Januar 2020 als Geschäftsführer und Gesellschafter in das Familienunternehmen einstieg.

Die Kennzahlen im bereitgestellten Studio-Vechta-Beitrag nennen die Gründung des Büros 1981 in einer Garage durch Georg Bocklage und Herbert Buddelmeyer. Der Beitrag erzählt außerdem, dass die erste Mitarbeiterin von 1982 bis heute zum Team gehört. Die offizielle Website von B + B Architekten nennt heute Standorte in Vechta und Syke.

Nachfolge wegen der Menschen

Druck zur Übernahme gab es in der Familie nicht. Als der Vater aufhören wollte, standen Linus Bocklage und sein Bruder Julius vor einer echten Entscheidung: das bestehende Büro übernehmen oder zu zweit neu gründen. Ausschlaggebend waren die Mitarbeitenden, die längst zur erweiterten Familie gehörten.

Die Sorge, dass ein Teil des Teams gehen könnte, war groß. Am Ende blieben alle. Der Vater trug dazu bei, indem er nach wenigen Monaten sein Büro für die Söhne räumte, keinen festen Arbeitsplatz mehr beanspruchte und der nächsten Generation auch Fehler zugestand. So wurde Loslassen zu einer praktischen Voraussetzung für den Übergang.

Drei Köpfe, eigene Stärken

Die Brüder holten bewusst einen dritten Geschäftsführer dazu: Mattis Köhnenkamp, einen früheren Studienkollegen, der den Standort Syke leitet. Drei Stimmen schaffen eine ungerade Zahl für Entscheidungen und bringen unterschiedliche Perspektiven zusammen.

Julius Bocklage ist gelernter Zimmermann und Bauingenieur. Mattis Köhnenkamp treibt laut Gespräch digitale Planung und KI voran. Linus Bocklage verantwortet Entwurf, Akquise und Netzwerk. Die offizielle Teamseite führt die drei neben weiteren Kolleginnen und Kollegen auf.

Digitalisierung als gemeinsame Entwicklung

Das Büro wurde nach der Übernahme grundlegend digitalisiert. Wie Veränderung gelingen kann, zeigt eine Kollegin, die 35 Jahre von Hand gezeichnet hatte und kurz vor ihrem 60. Geburtstag das Zeichnen am Computer lernte. Heute entwirft sie laut Beitrag komplett dreidimensional.

Für Linus Bocklage ist B + B deshalb nicht einfach ein übernommenes Büro. Es ist ein weiterentwickeltes Unternehmen, das Erfahrung im Team mit neuen Arbeitsweisen verbindet. Die eigene Geschichte bleibt sichtbar, aber sie wird nicht zum Hindernis für die nächste Etappe.

Loslassen ist Führungsaufgabe

Die erste Zeit nach der Übernahme war intensiv: Firmenübergang, zwei kleine Kinder, Sanierung eines alten Hofes und eigene Bauleitungen liefen parallel. Irgendwann erreichte Linus Bocklage eine Belastungsgrenze. Unterstützung durch die Familie half ihm, wieder Orientierung zu gewinnen.

Die wichtigste Lektion war, nicht jede Baubesprechung selbst zu leiten und nicht jedes Protokoll selbst zu schreiben. Heute ist er seltener auf der Baustelle und bewusst häufiger im Büro bei seinem Team. Verantwortung wird dadurch nicht weniger, aber sie verteilt sich besser.

Vom Wettbewerb bis zum Schlüssel

Viele Projekte entstehen über öffentliche, europaweite Wettbewerbsverfahren. Nach Referenzen und Entwurf folgen Genehmigung, Ausführungsplanung sowie die Ausschreibung der Gewerke. Die offizielle B + B-Website beschreibt passend dazu Leistungen von Machbarkeitsstudien und Entwurf bis zur Vergabe, Ausführungsplanung und Generalplanung.

Wenn B + B die Generalplanung übernimmt, hat der Bauherr einen Ansprechpartner. Statik, Brandschutz und Technik werden im eingespielten Team koordiniert. Digitale 3D-Modelle helfen dabei, mit einer gemeinsamen Datenbasis zu arbeiten. So wird Kommunikation nicht zum Extra, sondern zum Kern des Projektablaufs.

Kommunikation macht Projekte tragfähig

Die Marienschule in Oythe steht im Gespräch als Beispiel für einen neuen Blick auf bestehende Räume. Das über 100 Jahre alte Gebäude wurde mit flexiblen Möbeln, Sichtbeton und bunten Teppichböden weitergedacht. Ein junges Kollegium füllt die Räume heute mit Leben.

Für Linus Bocklage gilt diese Haltung über jedes einzelne Bauvorhaben hinaus: Projekte fallen und stehen mit guter Kommunikation. Für Unternehmen aus Vechta und dem Oldenburger Münsterland ist das eine übertragbare Erfahrung. Vertrauen entsteht dort, wo Zuständigkeiten klar sind, Informationen geteilt werden und Zusammenarbeit bewusst gestaltet wird.

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