
Oliver Schickling zeigt, wie eine Grillmarke aus Visbek mit eigener Fertigung, direktem Vertrieb und authentischen Inhalten wächst: Nicht Hochglanz verkauft, sondern Vertrauen in ein Produkt, das hält.
Grills aus Deutschland gelten als zu teuer, der Handel als unverzichtbar. Oliver Schickling hat beides anders gemacht. Gemeinsam mit seinem Bruder Philipp baut er in Visbek Grills von der Rohblechtafel bis zum Versandkarton – und verkauft sie fast ausschließlich online.
In einer Studio-Vechta-Folge spricht der Unternehmer über Familienunternehmen, Wachstum, Storytelling und die Frage, warum Vertrieb vor allem Vertrauen ist. Seine Erfahrung: Ein gutes Produkt und eine klare Haltung müssen zusammenkommen.
Ein eigenes Produkt statt fester Strukturen
Die Eltern gründeten 1988 einen Maschinenbaubetrieb. Der bereitgestellte Studio-Vechta-Beitrag beschreibt das Unternehmen als Lohnfertiger für unterschiedliche Branchen und erzählt, dass der Vater bereits einfache Grills gebaut hatte. Dieses Projekt schlief zunächst ein.
Oliver Schickling wollte nicht einfach in vorhandene Strukturen passen. Er belebte das Grillprojekt wieder. Philipp verantwortet Produktion und Entwicklung, Oliver Vertrieb, Marketing und Onlineshop. Die offizielle Schickling-Seite bestätigt die Gründung der Grillmarke durch die Brüder im Jahr 2014.
Vom Gartencenter ins Netz
Am Anfang fuhren Oliver Schickling und seine Cousins mit drei Holzkohlegrills im Bulli zu Gartencentern. Der Handel sah wenig Spielraum: Wer in Deutschland produziert und mit günstiger Ware konkurriert, kann nicht an jeder Stelle Kosten reduzieren.
Die Brüder entschieden sich deshalb, die Handelsstufe zu streichen und direkt zu verkaufen. Statt eines klassischen Showrooms setzten sie auf Auftritte, Tests aus der Grillszene und Produkte, die sich weiterempfehlen. Die offizielle Website beschreibt diesen Direktvertrieb bis heute als Verkauf ohne Zwischenhandel.
Fertigungstiefe als Vorteil
Der entscheidende Vorteil liegt in der eigenen Produktion. Lasern, Kanten, Lackieren, Tiefziehen und Fräsen geschehen laut Studio-Vechta-Beitrag im Familienbetrieb. Externe Lieferanten für einzelne Schritte würden Transportkosten, Abhängigkeiten und Preisrisiken erhöhen.
Die Schickling-Website ergänzt, dass in Visbek so gut wie jedes Teil mit CNC, Laser und Schweißroboter gefertigt wird. Diese Nähe zum Produkt macht die Herkunft nicht nur zur Herkunftsgeschichte, sondern zur Grundlage für Qualität, Reparierbarkeit und Weiterentwicklung.
Wachstum braucht Strukturen
Der erste große Schmerzpunkt kam laut Oliver Schickling bei rund einer Million Euro Jahresumsatz: Viele Kundinnen und Kunden, kaum Prozesse und noch kein Team im Hintergrund. In dieser Phase packte er selbst Gasflaschenhalter ein. Auch das erste Marketingteam scheiterte nach einem halben Jahr.
Heute arbeiten Videograf, Mediengestalter und Webentwickler an Inhalten, Landingpages und Suchmaschinenoptimierung. Kampagnen entstehen gemeinsam mit einer Agentur. Der Beitrag nennt rund zwölf Personen in Marketing, Vertrieb, Versand und Buchhaltung sowie etwa 20 in der Produktion. Wachstum wird damit zur Frage klarer Aufgaben, nicht nur höherer Nachfrage.
Vertrieb ist Vertrauen
Oliver Schickling ist das Gesicht der Marke. Kundinnen und Kunden sprechen ihn mit Namen an, als würden sie ihn längst kennen. Das ist kein Zufall: Wer sich vor die Kamera stellt, macht sich angreifbar, schafft aber auch Nähe.
Die Black-Friday-Kampagne zum Modell Rocket zeigt diese Haltung. In einem Kurzfilm baut Entwickler Hans dem Grill versehentlich einen Raketenantrieb an. Die Pointe: ohne Antrieb 15 Prozent günstiger – der Rabatt der Aktion. Das Produkt bleibt im Mittelpunkt, die Geschichte macht es erinnerbar.
Schlagzahl vor Perfektion
Perfektion ist für Oliver Schickling nicht das Ziel. Lieber viele authentische Inhalte als wenige makellose. Diese Haltung passt zu einem Direktvertriebsmodell: Das Team kann schnell erklären, zeigen und aus Rückmeldungen lernen, ohne auf eine anonyme Handelsstufe zu warten.
Die offizielle Website verbindet dieses Prinzip mit modularen und reparierbaren Grills. Auch im Marketing lässt sich daraus eine übertragbare Lehre ziehen: Menschen vertrauen Marken, wenn Produkt, Kommunikation und Service dieselbe Haltung spürbar machen.
Aus Visbek in einen umkämpften Markt
Schickling Grill zeigt, wie ein Familienunternehmen aus Visbek im Oldenburger Münsterland eine eigene Kategorie besetzen kann. Die offizielle Seite nennt Fertigung und einen Showroom am Visbeker Damm. Die Verbindung von Produktion, Beratung und Direktvertrieb bleibt damit lokal verankert und für Kundinnen und Kunden greifbar.
Für Unternehmen aus der Region steckt darin eine klare Erfahrung: Gute Produkte und gute Geschichten gehören zusammen. Wer Wertschöpfung, Kommunikation und Teamarbeit bewusst verbindet, kann auch in einem hart umkämpften Markt wachsen – ohne den eigenen Charakter aufzugeben.


